Nachbearbeiten oder nicht?

Tja, hier sind wir schon beim ersten Diskussionspunkt, der zwei konträre Welten aufeinander treffen lässt.

Die einen verteufeln eine Bildnachbearbeitung nahezu, die anderen setzen diese der früher notwendigen Bildentwicklung gleich. Wie so immer im Leben – die Wahrheit liegt wohl in der Mitte und im Auge des Betrachter.

Abhängig von der Kamera und den teils selbst wählbaren Einstellungen erfolgt eine Bildnachbearbeitung eigentlich unbemerkt in der Kamera schon selbst – weit bevor man ein Foto zur bewußten Nachbarbeitung in einer entsprechenden Software öffnet – außer man fotografiert (sofern möglich) im RAW-Format bzw. kann sämtliche Korrekturwerte auf Null setzen und verzichtet auf Motivprogramme, die eben Bilder schon in der Kamera verrechnen.

Viele Kompaktkameras unterstützen mit der internen und automatischen Bildbearbeitung den Fotografen, und sei es nur durch höhere Kontrast- und Sättigunswerte – hier sprechen wir noch nicht einmal von den unzähligen Motivprogrammen wie Portrait, Landschaft, Nachtaufnahme, Sport, etc., auf die sich viele Cams trimmen lassen. Diese Programme verrechnen das aufgenommene Motiv nicht nur in puncto Sättigung und Kontrast, sondern nehmen oft auch Einfluss auf Blende und Belichtungszeit.

Schlechte Ergebnisse liefern diese Programme zwar nicht – hier hängt viel vom verfügbaren Licht und der Lichtsituation ab – aber ein bereits “verrechnetes” und im JPG-Format komprimiertes ausgegebenes Bild ermöglicht bei der Nachbearbeitung oftmals nicht jene Spielvarianten, die man ausgehend vom einem Bild im RAW Format hätte.  Besonders Weißabgleichs- und Tonwert-Kanalkorrekturen gelingen nur ausgehend vom RAW Format wirklich sauber.

Auch zwischen RoBo und mir gibt es in punkto Bildnachbearbeit-ung immer wieder interessante Diskussionen. Für RoBo ist ein guter Shot nahezu ausschließlich jener, der “as-it-is” Verwendung finden kann – ich setze teilweise bewußt die Bildnachbearbeitung in der Kompostion s/w mit Farbakzenten ein, jedoch auch bei Sättigung und Kontrast.

Gezielte Schärfen und Unschärfen sowie gezielte Über- und Unterbelichtungen entstehen bereits beim Fotografieren anhand der gewählten Blendenwerte und Belichtungszeiten bzw. Belichtungskorrekturen.

Für mich beginnt das Spiel mit einem Motiv beim Blick durch den Sucher, Wahl der Blende und Belichtungszeit und findet dann oftmals seine Vollendung erst nach entsprechender “Spielerei” mit der Bildnachbearbeitung.

Fest steht aber auf jeden Fall: Ein ausdruck- und spannungsloses Foto wird man auch mit Bildbearbeitung nicht mehr zu einem Spitzen-Shot trimmen.

Nachbearbeiten oder nicht? Beispiel Albertina

Beispiel s/w & Farbkombination „Albertina“

Nachbearbeiten oder nicht? Beispiel Fotografiert beim Fotografieren

Beispiel s/w & Farbkombination „Fotografiert beim Fotografieren“

Nachbearbeiten oder nicht? Beispiel bei der Reichsbrücke

Beispiel s/w & Farbkombination „Bei der Reichsbrücke“

In ganz seltenen Fällen – aber auch diese können interessant sein – kann man mit der Bildberbeitung extreme Effekte herbeiführen. Hier gibt es ja in den diversen Softwarepaketen unzählige Filter, die der eigenen “Kreativität” fast keine Grenzen mehr setzen. Nur auf Dauer sollte man es wohl damit nicht übertreiben, da extreme Effekte auch an Effekt mit der Zeit wieder verlieren und oft Modeerscheinungen sind. Abhängig vom Motiv kann auch nur das Hinzufügen einer leichten Vignettierung oder die Konvertierung in ein s/w Bild dem Foto einen besonderen Ausdruck verleihen.

Mike [die][fotografen]


Leave a comment